Glaube, Hoffnung, Liebe

"Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; am größten jedoch unter Ihnen ist die Liebe." (1 Kor 13, 13) Wie sehr spricht uns dieses Wort des hl. Paulus an, wie sehr sehnen wir uns danach, es zu erfahren und auch leben zu können! Wenn wir allerdings um uns herumschauen, werden wir enttäuscht. Das Leben scheint durchdrungen von Eifersucht, Prahlerei, Taktlosigkeit, egoistischer Vorteilshascherei, Verbitterung, Bosheit und Schadenfreude. Wo wir nur hinschauen, wir sind von Lieblosigkeit umgeben: auf der Weltbühne, im eigenen Land, in der Kirche, ja selbst oft in der eigenen Familie. Die größte Enttäuschung erleben wir dann wohl, wenn wir uns selbst in den Spiegel schauen und zugeben müßen, daß wir alle an dieser Misere auch mitschuldig sind, daß wir in irgendeiner Weise alle mitmachen: Wir lieben es, zu kritisieren, wir lassen uns so gerne von den Massenmedien beeinflussen. Das "Ich" rückt in den Mittelpunkt. Aber war das nicht doch der Fehler Adams und Evas, der Urfehler, den wir Erbsünde nennen? Lieblosigkeit, oder besser, Leben ohne Liebe, kann man unter dem Begriff Hochmut, dem Anfang eines jeden Übels, zusammenfassen.

Es ist ein dunkles Bild, welches uns vorallem durch die Medien vorgesetzt wird, und wir fragen uns zurecht : Wo leuchtet denn noch die Liebe, die "alles glaubt, alles hofft, und alles erträgt"? (1 Kor 13, 7) Sie leuchtet uns in der Wahrheit entgegen, welche alles durchdringt und keine Schatten zuläßt; die Wahrheit welche Jesus Christus ist, der spricht: "Der Geist des Herrn ruht auf mir, weil er mich gesalbt hat; er hat mich gesandt, Armen Frohbotschaft zu bringen, den Gefangenen Befreiung zu verkünden und den Blinden das Augenlicht, Bedrückte in Freiheit zu entlassen, auszurufen ein Gnadenjahr des Herrn". (Lk 4, 18-19) Im Reich der Wahrheit, wo es keine Schatten gibt, erschallt auf ewig das demütige "Fiat" der hl. Gottesgebärerin: in Glauben bedingungslos gegeben, hoffend, die Erlösung empfangen zu dürfen, und letztendlich die Wahrheit in und durch Liebe der Welt gebärend. Die durch Hochmut gefesselte Eva wird durch die Demut der "Neuen Eva" erlößt. Der Menschheit wird angeboten durch Demut das und noch mehr zu erlangen, als Adam und Eva durch Hochmut an sich reißen wollten.

Wie dunkel das Weltbild ist, welches wir im Herzen tragen, hängt davon ab, wohin wir unseren Blick richten und ob wir dieses demütige "Fiat" erbringen können, um die Wahrheit zu empfangen, und in Glauben, Hoffnung, und vorallem Liebe zu gebären...

Im "Gebären" der Wahrheit in Liebe liegt unsere prophetische Sendung. Das Wort, welches an den Propheten Jeremias erging, ergeht somit auch an uns: "Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen....Gürte dich, tritt vor sie hin, und verkünde ihnen alles, was ich dir auftrage..." (Jer 1, 6 ff), mit Glauben, in Hoffnung, und durch Liebe. Und die Worte des Herrn, "Kein Prophet ist willkommen in seiner Vaterstadt" (Lk 4, 24) hält uns wach...