Werfet
eure Netze...
"Fahre hinaus
ins tiefe Wasser und werfet eure Netze zum Fang aus!....Sie taten es,
und fingen eine große Menge Fische." (Lk 5, 4 ff) Bis zu diesem
Zeitpunkt ist Petrus mit seiner Arbeit als Fischer beschäftigt.
Während Jesus lehrt, flickt er seine Netze. Sein Beruf nimmt ihn
in Anspruch, und das Wort Jesu ist, sozusagen, Draufgabe.
Wie sehr erinnert uns diese Episode des hl. Evangeliums an unser eigenes
Leben. Wir sind in der heutigen Zeit von einem Drang dauernd etwas zu
"tun" fast besessen. Unser Leben wird immer mehr und mehr "Aktionismus".
Die Folgen sind Stress und Frustration, denn je mehr wir "tun", desto
mehr sind wir mit unseren eigenen Unzulänglichkeiten konfrontiert.
Unser "Tun" steht im Mittelpunkt, unser eigenes Schaffen. Das Wort Gottes
ist allzu oft nur "Draufgabe".
Es ist natürlich nicht einfach. Ein Wirken aus dem Glauben heraus
ist auch notwendig. Wie oft, wenn wir uns besinnen, erwischen wir uns
jedoch bei blindem Tun, um eben nicht mit unserem Glauben konfrontiert
zu werden? Wenn ich mit mir selbst ehrlich bin: viel zu oft.
Jesus will aber mehr als unsere Mithilfe. Er will mehr als unser Tun.
Er will sogar mehr als unseren Glauben. Er will UNS. Deswegen die Angst
des hl. Petrus: "Herr, geh weg von mir, denn ich bin ein sündiger
Mensch!" (Lk 5, 8) Petrus war bereits Zeuge einiger Wunder gewesen,
aber der wunderbare Fischfang beeindruckt und beängstigt ihn, denn
er hatte begriffen, daß Jesus ihn mitnehmen werde. Das Wunder
hinterfragt das ganze Leben, das ganze Bemühen des hl. Apostels.
In gleicher Weise ist das gesamte Evangelium eine Frage an uns: "Wo
bist du?" (Gen 3, 9) Nicht "was bist du", oder "wer bist du", oder gar
"was machst du". Nein. "WO bist DU?" - "Mensch, wo bist du vor mir,
dem urewigen Gott?" Es ist eine erdrückende Frage. In der Kammer,
die wir Herz nennen, stehen wir allein vor Gott; in ikonenhafter Weise
"Angesicht zu Angesicht". Petrus, und wir mit ihm, erschrecken wie der
Prohet Isaias bei seiner Berufung: "Wehe mir, ich bin verloren; denn
ein Mann mit unreinen Lippen bin ich und wohne unter einem Volke mit
unreinen Lippen! Denn den König, den Herrn der Heerscharen, haben
meine Augen gesehen." (Jes 6, 5)
Nun aber kommt das Wunder: Der Ruf, oder besser: die Erkenntnis des
hl. Petrus und des Proheten Isaias ist die Antwort auf die Frage des
Herrn: "Wo bist Du?" - "Herr, ich bin nicht würdig..." Der Urewige
berührt sie und spricht: "Fürchte dich nicht; von nun an wirst
du Menschen fangen." (Lk 5, 10)
In der demütigen, d.h. realistischen und wahren Antwort auf die
erste Frage Gottes an uns nach dem Sündenfall liegt unsere Auferstehung.
In unserer Antwort "ziehen wir Christus an", der "für unsere Sünden
gestorben ist nach der Schrift...und am dritten Tage auferweckt worden
ist nach der Schrift." (1 Kor 15, 3-4)
Wir werden berührt von der "Glut des Glaubens, voll des Heiligen
Geistes". (byz. Liturgie) Jesus Christus wird das allesbestimmende Zentrum
unseres Lebens, und wir können mit Freude und ohne Angst das Wort
erfüllen: "Fürchte dich nicht; von nun an wirst du Menschen
fangen".
Nikolaj Hornykewycz
08.02.1998
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