Seligpreisung oder Fluch?


"Selig ihr Armen, denn euer ist das Reich Gottes....Doch wehe euch, ihr Reichen, denn ihr habt euren Trost empfangen." (Lk 6,20 ff) Keine Stelle der hl. Schrift wird wohl so oft zitiert, wie die Bergpredigt. Und wahrlich, nirgends stellt sich die Frage dringender: "Frohbotschaft, oder Drohbotschaft?"

Das Versprechen ist groß: "Ihr werdet gesättigt werden, ihr werdet lachen, euer ist das Reich Gottes, euer Lohn ist groß im Himmel". Nun kommt unser freier Wille ins Spiel: Wir können und dürfen dieses, wie ein jedes Versprechen, annehmen, oder auch ablehnen. Ein jeder Geschäftsmann weiß es: je größer das Versprechen, welches einer Investition zugrundeliegt, desto größer kann auch der Verlust sein, wenn man die Investition nicht tätigt.

Im Versprechen Gottes geht es um Alles: "Gott ist Mensch geworden, damit der Mensch Gott werden kann", lehrt uns der hl. Athanasius. Es geht wahrhaftig um Alles oder Nichts, und die "Investition", die verlangt wird, sind wir selbst, ist unser Leben und Tun. Mit unserem Handeln bestimmen wir wo wir stehen: Bei den Seligpreisungen, oder den Weherufen. Frohbotschaft oder Drohbotschaft.

Ein Fehler, bei dem wir uns allzu oft ertappen, ist, daß wir uns auf die Barmherigkeit Gottes "ausreden", nach dem Motto "der Papa wird's scho richten...". Gott ist natürlich immer Barmherzig, und wir sollten unablässig um Seine Barmherzigkeit bitten und allen unseren Mitmenschen auch Barmherzigkeit zeigen. Die Frage ist, ob wir ein Recht auf Gottes Barmherzigkeit haben.

Die Antwort ist nur allzu klar: Barmherzigkeit ist ein Geschenk der Großzügigkeit, und auf Geschenke hat man kein Recht. Aber wir können des Geschenkes würdig werden, indem wir dem Wort Gottes, welches ja Jesus Christus selbst ist, folgen.

Wenn wir das tun, dann gibt es keine Drohbotschaft, sondern nur Frohbotschaft. Das ist aber gar nicht einfach. Hier liegt auch der Sinn der vielen Weherufe des Evangeliums: Sie halten uns wach. Sie zeigen uns die Grenzen. Sie definieren, wenn man so sagen darf, die Seligpreisungen, und somit den Weg, den wir gehen sollten.

Die Versprechen des Evangeliums sind absolut. "Ist aber Christus nicht auferweckt worden, so ist damit auch unsere Predigt nichtig, und nichtig ist euer Glaube". (1 Kor 15, 14) Hier liegt die Autorität und die Hoffnung der Seligpreisungen: In der Auferstehung Jesu Christi. Und das ist auch das Ziel und was uns versprochen wird: Auferstehung, um am göttlichen Leben teilzuhaben und mit Ihm zu regieren....

Im Lichte der unheimlichen Größe dessen, was uns versprochen wird, erscheinen die Worte des Propheten Jeremias umso ernster: "Verflucht der Mann, der auf Menschen vertraut...er bleibt auf dürrem Wüstenboden, im salzigen Land, wo niemand wohnt. Gesegnet der Mann, der sich auf den Herrn verläßt... Unablässig bringt er seine Frucht." (Jer 17, 5 ff)

Frohbotschaft oder Drohbotschaft? Seligpreisung oder Fluch? Die Antwort liegt bei uns, die wir das Wort empfangen haben und an die Auferstehung glauben.